HERZLICH WILLKOMMEN
IN STUTTGART!

Stuttgart ist nicht gerade die Stadt, die Menschen zum Hyperventilieren bringt. „Neulich war ich in Stuttgart… da ist es vielleicht schön! Diese verwinkelte Altstadt, diese lauschigen Plätze! Was für eine Atmosphäre! Ach, und diese offenen, kommunikativen Menschen mit ihrem entzückenden Dialekt, hängen überall ein „-le“ hintendran. Das ist ja soo niedlich!“ Nein, das wird man wohl eher selten hören. „Das Schönste an Stuttgart ist die Autobahn nach München“, lautete der wenig schmeichelhafte und leider ziemlich bekannt gewordene Ausspruch von Ex-VfB-Star Thomas Strunz. Daran sieht man: Stuttgart ist eine Stadt, die vom Rest der Republik immer noch unterschätzt wird. Ihre Bewohner jedoch wissen es besser: die Stadt mit dem ersten Fernsehturm der Welt, die erste Landeshauptstadt mit einem Grünen-Politiker als Oberbürgermeister, eine junge Stadt, die in den letzten Jahren ihr Gesicht verändert hat, eine Stadt mit Architektur von Weltrang, eine Stadt mit einem lebendigen Kulturprogramm. Einfach eine Stadt, die einen nicht loslässt, bis man eines Tages realisiert, wie sehr man sich verliebt hat.


Willkommen in der Geburtsstadt des Automobils: Im Jahr 1886 erfanden Gottlieb Daimler und Carl Benz nahezu zeitgleich das Automobil – in Stuttgart. Der Benz-Patent-Motorenwagen gilt seitdem als erstes Automobil der Welt. Kaiser Wilhelm II. schien zunächst wenig von dessen Zukunft überzeugt, indem er feststellte: „Ich glaube an das Pferd. Das Auto ist nur eine vorübergehende Erscheinung.“ Und auch Gottlieb Daimler selbst irrte sich gewaltig als er vermutete: „Die weltweite Nachfrage nach Kraftfahrzeugen wird eine Million nicht überschreiten – allein schon aus Mangel an verfügbaren Chauffeuren.“ Der Siegeszug des Automobils war da schon längst nicht mehr aufzuhalten. Heute verbinden selbst Menschen ohne Technikbezug Stuttgart problemlos mit den Weltmarken „Mercedes Benz“ und „Porsche“, deren Museen nicht nur ein Magnet für Automobilfreunde aus aller Welt sind.

HEILIX-BLECHLE-
WELTMETROPOLE

 


EIN MULTIKULTI-
SCHMELZTIEGEL

DIE HÖHE MACHT
DEN UNTERSCHIED.

Stuttgart brüstet sich nicht gern, könnte aber theoretisch damit angeben, dass es die Großstadt ist, die den größten Höhenunterschied im Stadtgebiet aufweist – zumindest in Deutschland. Zwischen dem tiefsten und dem höchsten Punkt Stuttgarts liegen sagenhafte 342 Meter. Das ist jedoch fast gar nichts im Vergleich zu La Paz, das fast 1.000 Meter Höhenunterschied innerhalb der Stadtgrenzen aufbieten kann. Und noch etwas unterscheidet die bolivianische Hauptstadt grundlegend von der Hauptstadt Baden-Württembergs: in La Paz wohnen die Reichen unten, weil die Luft besser, sprich: nicht so dünn ist und die Armen oben in El Alto auf 4.100 Metern Höhe. In Stuttgart dagegen wohnen die Reichen oben auf immerhin fast 550 Metern Höhe, weil es sich mit der Luft genau umgekehrt verhält. Die beste Luft ist in der Schwabenmetropole oben, was sich vor allem im Sommer deutlich bemerkbar macht, wenn die Bewohner der dicht besiedelten tiefliegenden Stadtteile, wie Stuttgart-West, unter der Hitze stöhnen und die Leute der besseren Wohngegenden an den Ausläufern des Kessels für deren Bedingungen beneiden.

Die unzähligen Fließbänder der rund um Stuttgart angesiedelten Industrie zogen seit den 1960er-Jahren jede Menge Gastarbeiter an: Menschen aus sage und schreibe 180 Nationen leben inzwischen in der baden-württembergischen Landeshauptstadt. Fast 40 Prozent der Stuttgarter haben einen Migrationshintergrund, es werden 100 verschiedene Sprachen gesprochen, teils hat das gelernte Deutsch einen schwäbischen Akzent angenommen. Die „Reig’schmeckten“ und Fremde haben das Bild der Stadt und der Schwaben nachhaltig – zum Besseren – verändert. „Das Zweiflerische, Querköpfige, Kritische und Praktische im Wesen des Stuttgarters vermischte sich mit der Großzügigkeit, dem Wagemut, der Urbanität und der Musenfreundlichkeit vieler Neubürger“, erklärte der heimische Schriftsteller Thaddäus Troll. Heute würde man sagen: gelebte Integration.

DIE CHAMPAGNER-BÄDER

Rein räumlich mögen Leuzeaner und Bergianer in Stuttgart nur ein paar Hundert Meter voneinander entfernt sein, tatsächlich trennen sie jedoch Welten. Leuzeaner, Bergianer? Das sind nicht etwa Vertreter unterschiedlicher Glaubensrichtungen, sondern Stammgäste in Mineralbädern, die einen im Leuze, die anderen im Berg. Für die hat das Ganze dann auch fast den Stellenwert einer Religion, wenn sich beim Baden im unvergleichlich prickelnden und deshalb „Champagnerwasser“ genannten Mineralwasser ein unglaubliches Körpergefühl einstellt. Das Stuttgart Autostadt ist, überrascht ja nun niemanden wirklich, aber wer weiß schon, dass Stuttgart nach Budapest das zweitgrößte Mineralwasservorkommen in Europa sein Eigen nennt? Außerhalb der Stadtgrenzen ist Stuttgart nicht unbedingt als Bäder- und Wellnessziel berühmt. Das war früher anders. Zwischen 1840 und 1870 war z.B. Cannstadt – das Dritte der drei Bäder – ein mondäner Kurort, an dem sich der europäische Hochadel zu Badekuren traf. Glanz vergangener Zeiten! Heute dürfen sich Cannstadt und Berg immerhin mit der Bezeichnung „Heilquellen-Kurbetrieb“ schmücken.

SPÄTZLE, KEHRWOCHE, VFB UND DER DAIMLER

Das allgemeine Bild der Schwabenmetropole ist geprägt von diesen Begriffen, doch die Stadt ist viel mehr. Beim Schlendern durch die City oder einem Bummel durch die Kneipen wird man schnell erkennen: Stuttgart passt in keinen Rahmen. Auf den ersten Blick ein typisches, klar umrissenes Gesicht zu finden, ist nicht einfach. Man muss sich Zeit lassen, die Vielfalt – und auch die Gegensätze – zu entdecken.


Schduagard – Mir sind gschbannd!